Führt das Atom-Moratorium zu Stromimporten?

In den Diskussionen um das AKW-Moratorium kommt häufig die Frage auf, ob nach Abschaltung der sieben ältesten deutschen Kern­kraft­werke jetzt (Atom-)Strom aus dem Ausland importiert wird oder werden muss.

Die folgende, regelmäßig aktualisierte Grafik des deutschen Netto-Stromimports bzw. -exports soll helfen, etwas Objektivität in die erhitzte Diskussion zu bringen. Die Achsen­beschriftung ist in GWh/Tag angegeben, dabei bedeuten positive Werte, dass an einem Tag mehr Strom exportiert als importiert wurde, umgekehrt stehen negative Werte für ein Überwiegen des Imports. Mit den Steuer­elementen unterhalb der Grafik kann zwischen verschiedenen Kurven­glättungen gewählt oder zur kumulativen Ansicht gewechselt werden, bei der die Werte Tag für Tag addiert werden (Einheit dort: GWh).

Im zeitlichen Verlauf der Netto-Stromexporte ist zu sehen, dass die Exporte, die seit Jahres­beginn im Mittel bei etwa 100 GWh pro Tag lagen, mit Beginn des Moratoriums deutlich zurück gegangen sind: Die ersten eineinhalb Monate danach pendelte die Strom-Außenhandels­bilanz um Null herum. Erst seit im Mai vier weitere Kern­kraft­werke zur Revision herunter­gefahren worden sind, ist die Bilanz deutlich in die negativen Zahlen gerutscht. Trotzdem liegt die aktuelle Höhe der Strom­importe (noch) nicht wesentlich außerhalb der Schwankungs­breite der letzten beiden Jahre. Kurzfristig ist Deutschland also durch das Aufeinandertreffen von AKW-Moratorium und planmäßiger Revisionen zum Strom-Importland geworden. In naher Zukunft ist jedoch davon auszugehen, dass sich die Importe wieder deutlich reduzieren werden, sobald die derzeit wartungsbedingt stillstehenden Atommeiler ans Netz zurückgekehrt sind. Wie sich die Entwicklung mittel- und langfristig fortsetzen wird, ist aus den Daten direkt nicht abzulesen.

Interessanter als die Frage nach Import oder Export ist jedoch das Thema, aus welchen Gründen und aus welchen Quellen Strom importiert wird. Nachdem in Deutschland ausreichend freie Kapazität verfügbar ist, kann der aktuelle Import nicht von Knappheit getrieben sein, stattdessen folgt er ökonomischen Gesetz­mäßigkeiten: Strom wird in denjenigen Kraftwerken produziert, die die niedrigsten Grenzkosten aufweisen. Dabei ist solange unerheblich, ob sich diese Kraftwerke diesseits oder jenseits der Grenze befinden, wie die grenz­über­schreitende Leitungs­kapazität für die Über­tragung des erzeugten Stroms ausreichend ist.

Das Öko-Institut argumentiert in einer Kurzstudie, dass durch das AKW-Moratorium in Europa weder zusätzlicher Atomstrom erzeugt wird, noch zusätzliches CO2 emittiert wird. Diese zunächst paradox anmutenden Ein­schätzungen, sind auf kurze Sicht durchaus korrekt:

Nachdem ein großer Teil der tatsächlichen Kosten der Kern­energie von den Energie­ver­sorgern auf die Gesellschaft abgewälzt wird, ist die Produktion von Atomstrom für die Kraftwerks­betreiber extrem günstig. Es kann deswegen davon ausgegangen werden, dass diese Kraftwerke aus wirtschaftlichen Gründen in Betrieb sind, wann immer das möglich ist. Gehen nun in Deutschland Kern­kraft­werke vom Netz, kann die Atom­strome­rzeugung im Ausland trotzdem kurzfristig nicht gesteigert werden, da die ausländischen Kern­kraft­werke und/oder die grenz­über­schreitenden Strom­leitungen auch vor dem Moratorium bereits voll ausgelastet waren.

Durch den europäischen Emissions­handel ist die Gesamt­menge an CO2, die in Europa emittiert werden darf, nach oben begrenzt. Das bedeutet, dass der zusätzliche CO2-Ausstoß, der durch die Substitution von Atomstrom durch Strom aus fossiler Erzeugung entsteht, innerhalb Europas an anderer Stelle wieder eingespart wird. Das ist klimaneutral, äußert sich aber in einer geringfügigen Steigerung der Preise für CO2-Emissionsrechte.

Es ist jedoch offensichtlich, dass die Effekte, die dafür sorgen, dass das Atom-Moratorium weder zu zusätzlicher Atom­strom­erzeugung im Ausland noch zu zusätzlichen CO2-Emissionen führt, nur kurzfristig wirksam sind. Auf lange Sicht steht zu befürchten, dass in Nachbar­ländern Kern­kraft­werke neu gebaut werden, die Laufzeit bestehender Kern­kraft­werke verlängert wird und/oder grenz­über­schreitende Leitungen ausgebaut werden, um den deutschen Markt verstärkt zu bedienen. Und da die Rahmen­bedingungen des europäischen Emissions­handels immer wieder politisch diskutiert und angepasst werden, besteht zusätzlich die Gefahr, dass bei langfristig höherem Bedarf für Emissions­rechte europäische Klimaziele zukünftig weniger ehrgeizig fest­geschrieben werden.

Um diesen Gefahren wirksam zu begegnen ist es unerlässlich, die fehlenden Strom­mengen abgeschalteter Kern­kraft­werke innerhalb kurzer Zeit durch Strom­erzeugung aus Erneuerbaren Energien auszugleichen.

Nachtrag (26. Mai): Die Echtzeit-Daten des cross border physical flow werden nun nur noch so lange verwendet, wie die präziseren Daten der final cross-border schedules noch nicht verfügbar sind. Trotzdem bleibt im Vergleich mit den Schätzungen der Jahressalden durch die AG Energiebilanzen noch ein Unterschied von -20% für 2009 und -38% für 2010 bestehen. Vielen Dank an Rudi Amannsberger, der mich auf die Diskrepanz hingewiesen hat!

Nachtrag (28. Mai): Nun sind auch noch die Exporte nach Luxemburg eingerechnet (ca. 4.500 GWh im Jahr), die in den entsoe.net-Daten fehlen. Hier liegen leider nur monatsgenaue Daten vor, die außerdem etwa 3 Monate zeitverzögert sind. So muss für die Berechnung ab Februar 2011 auf eine Extra­polation aus den Vorjahres­monaten zurückgegriffen werden, die jedoch ausweislich der geringen Schwankungen des Strom­austausches mit Luxemburg relativ akkurat sein sollte. Mit dieser Korrektur stimmt der für 2009 (2010) errechnete jährliche Export mit 15,8 TWh (15,3 TWh) nun bis auf +10% (-9%) mit der Schätzung der AG Energiebilanzen von 14,3 TWh (16,9 TWh) überein. Durch die Berücksichtigung der Exporte nach Luxemburg haben sich deutliche Veränderungen in der Inter­pretation der Daten ergeben, die obige Diskussion wurde entsprechend angepasst.

Nachtrag (9. Juni): ENTSO-E scheint Probleme mit den publizierten Daten zu haben: Nach dem heutigen Update hat sich (wieder) eine deutliche Änderung der 2011er Werte ergeben. Im Vergleich zu der Auswertung vom 3. Juni ist der kumulative Export Januar bis Mai jetzt deutlich höher und befindet sich wieder in etwa auf dem Niveau, dass Ende Mai vermeldet wurde. Die neue Datenlage wurde durch eine geringfügige Änderung der obigen Diskussion berücksichtigt. Ich hoffe, die Jungs und Mädels vom ENTSO-E kriegen ihren Laden in den Griff!

Nachtrag (1. Dezember): Kleine Präzisierung der Argumentation zu ausländischen Kern­kraft­werken: stärkere Betonung der Bedeutung der Kapazitäts­limits grenz­über­schreitender Stromleitungen.

Nachtrag (31. Januar): Seit 22. Dezember 2011 liefert die ENTSO-E keine physical flow Daten für den Transfer von/nach Österreich mehr, deswegen ist seit diesem Datum der in der Grafik dargestellte Netto-Export vermutlich unterschätzt. Eine Korrektur ist in Arbeit.

Rechtlicher Hinweis: Die der Grafik zugrunde liegenden Daten stammen von entsoe.net, der “Transparenzplattform” des Verbands der Europäischen Übertragungs­netzbetreiber ENTSO-E. Die Richtigkeit und Voll­ständigkeit der Daten sowie deren zukünftige Ver­füg­bar­keit möchte ENTSO-E nicht ga­rantieren.

Creative Commons Lizenzvertrag  Alternativ zu der in der Fusszeile angegebenen Lizenz können Text und Grafik auch unter Creative Commons Namensnennung 3.0 Deutschland Lizenz genutzt werden.

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61 Antworten auf Führt das Atom-Moratorium zu Stromimporten?

  1. Lukas sagt:

    krass gute darstellung, die du da programmiert hast. bin mal gespannt, wie sich die sich die kurve in den nächsten tagen und wochen weiterentwickelt. tendenziell sollte die kurve sich ja in den nächsten wochen abflachen, da dann ja einige der neueren kernkraftwerke wieder ans netz gehen werden, die momentan in revision sind.

    besonders gut finde ich die kummulative darstellung. ich hätte nämlich nicht gedacht, dass wir dieses jahr in summe immernoch im plus sind. bei einer linearen extrapolation des haben wir sogar noch ungefähr für einen monat “reserve”. das kommt in der öffentlichen diskussion viel zu kurz.

    und eine super textliche zusammenstellung, viel besser als das, was die medien so verbreiten. vorallem gut, dass du den aspekt des co2-emissionshandels erwähnst. denn der wird bei der argumentation bezüglich zusätzlichem anfahren von kohlekraftwerken der kaltreserve ja häufig vergessen.

    danke also für den super blogbeitrag :) und in der nächsten diskussionsrunde zum thema “stromimport durch akw-moratorium” werde ich auf dein blog verweisen.

    • Ulrich Loose sagt:

      besonders gut finde ich die kummulative darstellung. ich hätte nämlich nicht gedacht, dass wir dieses jahr in summe immernoch im plus sind. bei einer linearen extrapolation des haben wir sogar noch ungefähr für einen monat “reserve”. das kommt in der öffentlichen diskussion viel zu kurz.

      Das ist eine völlig falsche Schlussfolgerung! Die Interpolation hat in dem Zusammenhang keinerlei Aussagekraft.

      Wenn man schon kumulieren will, dann den Bereich Januar bis Moratorium, so Auge mal Pi = 50 GWh export – und als Gegenstück Moratorium bis heute, Auge mal Pi = 20 GWh import.

      Je länger die Zeitspanne nach Beginn des Moratoriums dauert, desto stärker schlägt die Tatsache dass zu wenig Strom in Deutschland produziert wird durch.

      In der Prognose für dieses Jahr, wird Deutschland ein starkes Importland sein.

      Ulrich

      • Thiemo sagt:

        Ich würde mich nicht wundern, wenn wir Ende des Jahres bei einem Saldo von 10 TWh Import angekommen wären. Verglichen mit der Stromerzeugung aus Erneuerbaren Energien, die 2010 etwa bei 100 TWh lag, ist das jedoch nicht besonders viel und sollte sich durch Zubau erneuerbarer Energien innerhalb eines oder zweier Jahre kompensieren lassen.

        • Ulrich Loose sagt:

          Ich glaube nicht das sich da irgendwas kompensieren lässt, da schon die Herangehensweise über einen Zeitraum zu mitteln falsch ist.

          Bei der Stromversorgung gibt es zu jedem beliebigen Zeitpunkt eben nur ein GO oder eben NO GO. Fehlt auch nur zu eben irgendeinem Zeitpunkt eine läppische kWh, muss ein Teilnetz abgeschaltet werden.

          Daraus folgt ganz unzweifelhaft, dass bei einem ZWANG importieren zu MÜSSEN, weil nicht genug eigene frei verfügbare Kapazität vorhanden ist, eine 100% Abhängigkeit vom Import vorhanden ist.

          Bei aller Freude über den steigenden Anteil an Erneuerbaren, darf man eben nicht außer acht lassen, dass mindestens bis zur Fertigstellung einer Speichermöglichkeit, Schattenkraftwerke in der gleichen Größe vorhanden sein müssen, die die Erneuerbaren ausmachen.

          Selbst eine Wahrscheinlichkeitsrechnung – irgendwo weht es immer und irgendwo scheint immer die Sonne – kann über diese Tatsache hinwegtäuschen. Es bleibt bei zu geringer Eigenkapazität an ständig verfügbarer Kraftwerksleistung in jedem Falle ein Restrisiko eines Blackouts. Und dieses Risiko kann man selbst bei einem Exportüberschuss übers Jahr gesehen nicht verleugnen.

          Ulrich

          • Lukas sagt:

            dass mindestens bis zur Fertigstellung einer Speichermöglichkeit, Schattenkraftwerke in der gleichen Größe vorhanden sein müssen, die die Erneuerbaren ausmachen.

            Wie meinst du das? Falls alle Erneuerbaren gleichzeitig keinen Strom liefern können oder oder wie? Das kommt aber nie vor.

            Genauso gut müsste man fordern, auch für jedes Kohle- oder Gaskraftwerk ein Schattenkraftwerk zur Verfügung zu stellen, da theoretisch ja auch gleichzeitig alle Kohle- und Gaskraftwerke wegen außenpolitischer Schwierigkeiten nicht mehr beliefert werden könnten.

            Und im übrigen haben wir schon einiges an Speicherkraftwerken: Immerhin 7 GW haben wir in Deutschland an Pump- und Druckluftspeichern, womit zumindest einige Stunden überbrückt werden können. Dazu kommen noch die Pumpspeicher in Luxemburg und Vorarlberg, die ja zum deutschen Regelzonenblock gehören.

          • Thiemo sagt:

            Lieber Ulrich,

            bezüglich der “Schattenkraftwerke” gebe ich dir Recht: Bis ausreichend Stromspeicher am Netz sind (und ich meine hier Wochenspeicher, nicht Stundenspeicher), wird es notwendig sein, fossile Kraftwerke im Standby zu halten. Das ist jedoch im Vergleich zum kontinuierlichen Betrieb der fossilen Kraftwerke eine wesentliche Verbesserung.

            Was die scheinbare Abhängigkeit von Stromimporten betrifft, täuschst du dich: Momentan wird Strom nicht aus dem Ausland importiert, weil inländische Kapazität fehlt, sondern weil in der aktuellen Konstellation ein Teil des Stroms günstiger im Ausland eingekauft als im Inland produziert wird. Falls von heute auf morgen aus irgendeinem Grund kein Strom mehr importiert werden könnte, ließe sich der Verbrauch problemlos durch fossile Kraftwerke im Inland decken (siehe z.B. die oben zitierte Studie des Öko-Instituts).

  2. Pingback: Grüner Nomade » Blog Archive » Kurz: Transparenz in der Stromversorgung

  3. Werner Weindorf sagt:

    Interessant ist, dass die Exportüberschüsse vor allem in den Wintermonaten auftreten, die Importe aber in den Frühlingsmonaten und zum Teil sogar im Sommer. Mit dem Ausbau der Photovoltaik dürfte es aber bald auch im Frühling und vor allem im Sommer zu Exportüberschüssen kommem.

    • Thiemo sagt:

      Das hängt sehr stark von der zukünftigen Förderpolitik ab. Photovoltaik ist (noch?) kein Selbstläufer. 2010 hat PV nur 8% der Strommenge eingespeist, die im selben Zeitraum in Kernkraftwerken produziert wurde.

      • Ulrich Loose sagt:

        Was die scheinbare Abhängigkeit von Stromimporten betrifft, täuschst du dich: Momentan wird Strom nicht aus dem Ausland importiert, weil inländische Kapazität fehlt, sondern weil in der aktuellen Konstellation ein Teil des Stroms günstiger im Ausland eingekauft als im Inland produziert wird. Falls von heute auf morgen aus irgendeinem Grund kein Strom mehr importiert werden könnte, ließe sich der Verbrauch problemlos durch fossile Kraftwerke im Inland decken (siehe z.B. die oben zitierte Studie des Öko-Instituts).

        Ich stehe dem Öko-Institut e.V. (soviel Zeit muss sein) kritisch gegenüber und halte deren Studien von einem gewissen Vorverständnis geprägt.

        Zugegeben – wenn man bereit ist die Altkraftwerke die ja eigentlich durch Neubauten ersetzt werden sollten im Standby zu belassen, dann mag durchaus die Kapazität vorhanden sein.

        Allerdings darf da die Frage gestellt werden, wer denn über die im Privatbesitz befindlichen Anlagen bestimmen darf und wer für das Bereithalten aufkommt. Das kostet schon bei Altanlagen viel Geld, bei Neuanlagen noch viel mehr, das sich der Abschreibungszeitraum wegen mangelnder Auslastung ins Unendlich verschiebt. Ein kompletter Umstieg auf Planwirtschaft ist doch sicher nicht wünschenswert oder gar geplant?

        Ab 2013 werden darüber hinaus die CO2 Zertifikate kostenpflichtig und damit dann zwangsweise auch die Stromerzeugung aus fossilien Brennstoffen erheblich teurer – zusätzlich zu den Kosten für die ständige Bereithaltung. Damit sinkt dann auch die Konkurrenzfähigket gegenüber ausländischen AKWs die dann nach Möglichkeit zu Zuge kommen werden.

        Niemand wird freiwillig und ohne monetäre Unterstützung solche Lückenbüßer Kraftwerke bauen und betreiben wollen.

        Ist also genug Importstrom vorhanden, bleiben mit Sicherheit die inländischen fossilien Kraftwerke im Standby, reicht der Importstrom nicht, muss man zwangsweise auf extrem teure inländische fossilie Kraftwerke zurück greifen.

        Wie das Ganze über Deutschlands Grenzen hinweg funktionieren soll, ist mir auch nicht so ganz ersichtlich. Am Ende laufen im Winter die fossilen Standby Kraftwerke für Frankreich, der eigene Bedarf wird aus AKWs der östlichen Nachbarn gedeckt und die Klimaziele werden von den Hausbesitzern erbracht… So ganz zu ende gedacht scheint mit die Wende dann doch nicht zu sein.

        Ulrich

        Ich habe das hier mal als Antwort angehängt – beim Originalposting fehlt der “Antwort” Button.

    • Ulrich Loose sagt:

      Vielleicht sollte man an dieser Stelle auf die Tatsache hinweisen, das PV-Strom nicht exportfähig ist!

      Immerhin wird der Preis für Exportstrom an einer Börse ermittelt und der liegt um ein Vielfaches unterhalb der Zwangseinspeisevergütung.

      Die Rechnung für den Endverbraucher sieht ja so aus:

      3,5 Cent Einspeisevergütung für 16% Anteil aller Erneuerbaren macht nach Adam Riese pro kWh: 3,5 Cent / 16 x 100 = 22 Cent die diese kWh real kostet.

      Diese kWh wird also sicher nicht für 5 Cent Börsenpreis exportiert, sondern man wird versuchen diese kWh selbst zu verbrauchen und zähneknirschend das exportieren, was durch nicht schnell genug herunter regelbare konventionelle Kraftwerke zu viel produziert wird.

      Der aktuelle IST-Zustand ist aus kaufmännischer Sicht eine mittlere Katastrophe – was nicht wundert, laufen die Erneuerbaren ja planwirtschaftlich außer Konkurrenz zur eigentlich wünschenswerten Marktwirtschaft.

      Ulrich

      • Lukas sagt:

        3,5 Cent Einspeisevergütung für 16% Anteil aller Erneuerbaren macht nach Adam Riese pro kWh: 3,5 Cent / 16 x 100 = 22 Cent die diese kWh real kostet.

        Die Kosten der regenerativen Stromversorgung so zu Berechnung ist eine völlig irrige Milchmädchenrechnung, da sie wesentliche Kosteneffekte nicht berücksichtigt, wie beispielsweise Merit-Order-Effekt, Vermeidung des Kaufs von CO2-Emissionszertifikaten, etc.

        Eine kleine Übersicht dazu findet sich in der Wikipedia (aber bestimmt auch in anderen Quellen).

        Und die EEG-Quote liegt nicht bei 16 % sondern eher bei über 20 %. Über das EEG werden nämlich auch einige nicht-regenerative Energiequellen gefördert, deren Nutzung sich sonst vermutlich nicht lohnen würde, wie beispielsweise Gruben- und Deponiegase.

        • Ulrich Loose sagt:

          Die Kosten der regenerativen Stromversorgung so zu Berechnung ist eine völlig irrige Milchmädchenrechnung, da sie wesentliche Kosteneffekte nicht berücksichtigt, wie beispielsweise Merit-Order-Effekt, Vermeidung des Kaufs von CO2-Emissionszertifikaten, etc.

          So leid es mir tut, aber die aufgeführten angeblichen wesentlichen Kosteneffekte stellen die eigentliche Milchmädchenrechnung dar.

          Die gesamten Erneuerbaren laufen außerhalb der Marktwirtschaft zu staatlich festgesetzten Planwirtschafts-Preisen und mit der Auflage diese Leistungen einspeisen zu müssen.

          Die genannten Effekte sind nicht wesentlich sondern marginal, weil a) derzeit die CO2 Zertifikate noch kostenfrei sind und b) höchstens Stromerzeugungen verdrängt werden, die eben erheblich billiger produzieren könnten. Ein Blick auf die Strombörse macht das deutlich.

          Auch das Milchmädchen müsste das erkennen:

          Produkt A zum staatlich verordneten Festpreis von 22 Cent verdrängt Produkt B zum Marktpreis von 5 Cent.

          Wie groß kann da wohl der Effekt sein? Und wie wird sich dieser Effekt auswirken, wenn der Anteil der außer Konkurrenz laufenden Erneuerbaren weiter steigen wird?

          Die Erneuerbaren benötigen das Prinzip Hoffnung um in absehbarer Zeit marktwirtschaftlich konkurrenzfähig zu werden. Die Hoffnung, dass die Beschaffungskosten der klassischen Erzeuger so weit steigen, dass sich erneuerbare auch ohne Zwangseinspeisepreisen konkurrenzfähig verkaufen lassen.

          Das wird Global in 10 Jahren nicht eintreten und je höher der Anteil der Erneuerbaren steigt, desto größer wird das Problem für die Industrie. Bei Privatleuten mag man sich Dinge die viel Geld kosten leisten, für die Industrie kann das tödlich sein.

          Ulrich

          • Lukas sagt:

            Produkt A zum staatlich verordneten Festpreis von 22 Cent verdrängt Produkt B zum Marktpreis von 5 Cent.

            Es gibt nicht den Marktpreis für Strom, es gibt ganz viele Marktpreise, die davon abhängig sind wie viel im vorraus und über welchen Zeitraum Strom gekauft wird. So Betrug beispielsweise beispielsweise der Preis für Grundlaststrom (Phelix Day Base) 6,0 c€/kWh, für Mittellast (Phelix Day Peak) 6,6 c€/kWh (beide Daten von eex.com) und für Spitzenlast im Intraday-Markt bis zu 10,9 c€/kWh (siehe epexspot.com).

            Zum Vergleich: Neue Windkraftanlagen bekommen zur Zeit in der Anfangsvergütung etwa 9 c€/kWh und dann Grundvergütung von knapp 5 c€/kWh, im Mittel also 6 bis 7 c€/kWh.

            Außerdem solltest du in deiner Rechnung den Faktor 100 durch 80 (oder ähnlichen Wert, genauen Zahlenwert hab ich nicht im Kopf, ersetzen, da nicht jeder Stromverbraucher die (volle) Umlage bezahlen muss: Für Großverbraucher (z.B. Industrie, Eisenbahn) ist die Umlage auf 0,0 c€/kWh gedeckelt; EVUs, die unter das Grünstromprivileg fallen, bezahlen gar keine EEG-Umlage.

      • Lukas sagt:

        und noch ein Nachsatz zur “kaufmännischer Sicht”: Volkswirtschaft und Betriebswirtschaft sind zwei verschiedene Dinge!

  4. Pingback: Update 04.06.2011, 0:00 (und zurückliegende Tage ….)Störfall Atomkraft

  5. Ulrich Loose sagt:

    Zum Vergleich: Neue Windkraftanlagen bekommen zur Zeit in der Anfangsvergütung etwa 9 c€/kWh und dann Grundvergütung von knapp 5 c€/kWh, im Mittel also 6 bis 7 c€/kWh.

    Ich glaube Ihre Zahlen und Rechenbeispiele gerne – allerdings finde ich es etwas befremdlich sich ausgerechnet nur den Bereich heraus zu suchen, der am nächsten an der Wirtschaftlichkeitsgrenze liegt. Außen vor gelassen ist auch die Tatsache, dass ein Windrad ohne Speicher nicht wirklich viel wert ist – die Kosten dafür müssten ehrlicherweise hinzu addiert werden.

    Das Negativbeispiel – die PV-Anlagen…

    Im Jahre 2011 beträgt die EEG Umlage insgesamt satte 17.1 Mrd Euro! Um da die Relation mal herzustellen – der Finanzminister jammert für 1 Mrd Steuersenkung rum, für die kein Geld da sein.

    Von diesen 17,1 Mrd Euro kassieren die PV-Anlagen ganze 8 Mrd Euro und liefern dafür 2% der Gesamtstrommenge. 47% Der EEG Umlage fleißen also in ein System das extrem teuer, wenig leistungsfähig und extrem volatil ist. Unterm Strich ist der Bürger so zwangsweise bis heute eine Belastung von 100 Mrd Euro eingegangen, tendenz stark steigend. Vermutlich dürfte davon ein Großteil nicht der Förderung alternativer Energien dienen, sondern schlicht und ergreifend dem Profit der Betreiber. Anders sind z.B. Fonds die 8 bis 10 % Rendite versprechen nicht möglich und ein Blick in die Verkaufsprospekte zeigt eines – nicht der Öko-Gedanke steht argumentativ im Vordergrund, sondern die Rendite.

    Rosinenpickerei hilft da also nicht weiter – durchschnittlich kostet eine kWh aus erneuerbaren Quellen nach EEG eben um die 22 Cent. Einzige Hoffnung – wirtschaftliche Erzeuger wachsen überproportinal – an den schon eingegangenen Verpflichtungen änder das aber auch nichts mehr. Wir werden sehen, was von der von der aktuellen Regierung vorgesehenen Deckelung der EEG Umlage auf 3,5 Cent übrig bleiben wird. Ich , als eher pessimistisch denkend, gehe davon aus, dass das nicht so kommen wird und das somit die EEG Umlage weiter steigen wird.

    Es steht also zu vermuten, nein, es steht fest, dass der Eingriff in die Marktwirtschaft extrem hohe Kosten nach sich zieht. Bei 8 bis 10 % Rendite ist es jedenfalls keine Anschubfinanzierung sondern politisch gewollte Dauersubvention in großer Höhe. Kein Zweifel, eine Umstellung der Energieversorgung wird über kurz oder lang zwingend nötig sein, ich glaube aber, mit etwas weniger Dogma und etwas mehr Vernunft hätte man die Umstellung erheblich preiswerter und weniger riskant hin bekommen.

    Ulrich

    • Alfred Hartig sagt:

      Das kann ich nur voll unterstreichen.- Auch bitte meinen [anderen] Kommentar lesen [...].

      Hartig

      [Edit: Thiemo]

    • Thiemo sagt:

      Lieber Ulrich,
      im Durchschnitt der Jahre 2005-2010 lag die Eigenkapitalrendite von E.ON bei 12.4%. Im Vergleich dazu wirken die von dir zitierten 8-10% für Erneuerbare nicht überzogen.
      Zum “Eingriff in die Marktwirtschaft”: Es ist unbestritten, dass die Marktwirtschaft zu einer sehr effizienten Ressourcenallokation führt. Nachdem aber Umweltkosten nicht (in ausreichender Höhe) eingepreist sind, fährt das System der reinen Marktwirtschaft leider mit eben dieser hohen Effizienz direkt an die Wand. Ein Ausweg wäre ein Zertifikatehandel mit strengen Reduktionsvorgaben, darauf konnte sich in Europa bislang jedoch leider nicht geeinigt werden.
      Deswegen, und zur Förderung marktferner Technologien, halte ich das EEG für gut und richtig. In den letzten Jahren hat es aus meiner Sicht vor allem an der sinnvollen Steuerung und Weiterentwicklung des EEG gemangelt.
      Schöne Grüße,
      Thiemo

  6. Redmann Manfred sagt:

    Bei euch geht es nur ums Geld.Aber das Deutsche Netz muß stabil sein.Ich arbeite in einem Gaskraftwerk das eine Stadt mit Fernwärme versorgt und nebenbei Strom erzeugt.Also ein Spitzenlastkraftwerk. Wir mußten schon an 2 Tagen mit Volllast laufen das hatten wir im Sommer noch nie.Außerdem muß die freqenz bei 50 herz gehalten werden für die heutige Technick.Dafür braucht man Kraftwerke die die Windkraft blocken oder neue Kabeltrassen. Ich rechne Im Februar mit einem kleinen Black Out (Verbraucher werden abgeschalten.

    • Hermann sagt:

      Die aktuellen Zahlen der AGEB von Januar bis September 2011 sagen aber etwas anderes:
      Die Stromerzeugung aus Erdgas ging zurück.

      Auch halte ich nichts von unnötiger Panikmache von wegen blackout. Im Ausland ist es die Regel daß große Stromverbraucher zu Spitzenlastzeiten vom Netz genommen werden. Bei Metallschmelzen kann man das für einige Stunden tun, bei Kühlhäusern noch länger.

      • Thiemo sagt:

        Beziehst du dich auf die Veröffentlichung Primärenergieverbrauch 1.-3. Quartal 2011 der AG Energiebilanzen? Dort ist tatsächlich von “geringere[m] Einsatz von Erdgas in den Kraftwerken zur Strom- und Wärmeerzeugung” die Rede. Zunächst geht daraus nicht eindeutig hervor, ob aus Erdgas Q1-3 2011 weniger Strom oder weniger Wärme (oder beides) erzeugt wurde. Aber selbst wenn tatsächlich weniger Strom aus Erdgas erzeugt wurde, steht das nicht im Widerspruch dazu, dass es mehr Spitzentage mit besonders hoher Auslastung gab. Wir müssen hier sehr klar zwischen Gesamterzeugung (relevant für Klima) und Spitzenwerte (relevant für Netzstabilität) unterscheiden.

        • Hermann sagt:

          Ich hatte mich auf den VP bezogen der von 2 Tagen Volllast geschrieben hat. Das kann ich nicht als Spitzenlast erkennen denn diese tritt nur für kurze Zeit auf.

          Ansonsten hast Du den richtigen link genannt. Aus der Aussage “…sowie ein geringerer
          Einsatz von Erdgas in den Kraftwerken zur Strom- und Wärmeerzeugung.” schließe ich daß der Einsatz von Erdgas zur Stromerzeugung sicher nicht gestiegen sondern gesunken ist.

          Und nochmal: Bei Angebotsengpäßen kann genauso gut ein oder mehrere Stromverbraucher für diese Zeit vom Netz getrennt werden.

          • irgendeiner sagt:

            “Und nochmal: Bei Angebotsengpäßen kann genauso gut ein oder mehrere Stromverbraucher für diese Zeit vom Netz getrennt werden.”

            Faszinierend. In einem Hochtechnologieland soll einfach ein Verbraucher vom Netz getrennt werden… Ich dachte immer, Unternehmen investieren hier u.a. auf Grund der Infrastruktur.
            Natürlich kann man Verbraucher vom Netz trennen. Sowas darf aber nicht vorkommen. Solche wünsche kommen nur von industriefeindlichen Personen…

          • Hermann sagt:

            Keineswegs faszinierend, da haben Sie falsch gedacht:
            http://de.wikipedia.org/wiki/Lastabwurf_(Stromnetz)
            Einige Großverbraucher, hauptsächlich Zementmühlen oder große Kühlhäuser haben im Rahmen der Laststeuerung Verträge als „Lastabwurfkunden“. Sie erhalten vergünstigten Strom und müssen dafür auf Anforderung des Energieunternehmens automatisch und innerhalb definierter Zeiten, typischerweise im Sekundenbereich, abschalten.

  7. Lukas sagt:

    hab grad eben mal wieder drauf geguckt…

    sehr interessant finde ich, dass in der kummulativen ansicht seit etwa zwei monaten, also von august bis jetzt, die linie fast horizontal verläuft, also das im- und exporte über diesen doch recht langen zeitraum im wesentlichen ausgeglichen sind. vorallem, dass es nicht die einzige solche phase ist, denn im april/mai war es auch für einige wochen so.

    also nach wie vor ein tolles tool, auf das ich gerne ab und zu wieder draufgucke :)

  8. Alfred Hartig sagt:

    Für eine realistische Bewertung der Stromfull-Kurven (Import und Export) ist notwendig wenigstens die tagesgenaue Darstellung zu betrachten, besser noch eine stündliche, weil sie evt. erkennen lassen, warum Strom exportiert oder importiert wird:

    Wenn plötzlich – und wenn ich sage plötzlich, dann meine ich plötzlich, d.h. innerhalb von 20 bis 30 Minuten geht der Wind weg und es werden tausende MW aus bereit stehenden anderen Kraftwerken benötigt. Da werden alle Bezugsmöglichkeiten aus dem Ausland eingesetzt, wenn inländische Reserven nicht schnell genug liefern können. Und da fallen die gelobten Gaskraftwerke, die zwar als Spitzenlastkraftwerke installiert wurden, oft aus, weil ihr Kaltstart-Zuverlässigkeit nur bei 45% liegt – in der Realität, also bezogen auf ihre (nur) theoretische Schnellstartfähigkiet innerhalb von 10 Minuten. Tatsächlich schaffen es aber nur die Hälfte beim ersten Startversuch, weil die Turbinen nicht zünden. Beim Flugzeug ist das anders. Der Flieger rollt erst zur Startpiste, wenn alle Turbinen gezündet haben.

    Also – bitte noch genauer hingucken !!

    Hartig

    • Thiemo sagt:

      Nachdem die Daten der ENTSO-E stundengenau sind, wäre eine solche Darstellung grundsätzlich möglich. Das würde jedoch ein paar Umbauten erforderlich machen, von denen ich nicht weiß wann ich dazu kommen werde. Ich schreib’s mal auf die todo-Liste…
      Schöne Grüße, Thiemo

    • Hermann sagt:

      “Plötzliche” Stromausfälle gibts insbesondere bei AKWs wenn mal wieder eine Schnellabschaltung notwendig ist. Dann müssen mehrere Kohlekraftwerke die parallel in ineffektiver Teilllast laufen und leitungstechn. in der Nähe sind auf Nennlast gebracht werden.

      Die Einspeisung von Windstrom kann dagegen mittlerweile sehr genau vorhergesagt werden.

      • andreas sagt:

        “Die Einspeisung von Windstrom kann dagegen mittlerweile sehr genau vorhergesagt werden.”

        Mag sein. Für wenige Tage klappt das.
        Was mich jetzt allerdings fasziniert hat, sind die Schwankungen innerhalb weniger Minuten. Ich stand vor kurzem in einer WKA und habe mir die Leistungsdaten angeschaut. Innerhalb von wenigen Minuten, teilweise Sekunden, schwankte die Leistung um mehrere 100% nach oben, bzw. unten.
        Wenn ich mir diese Schwankungen für einen ganzen Park vorstelle, wo dann mal ganz schnell ein paar MW ins Netz strömen und dann gleich wieder nicht, wird mir bewusst, wie schwierig die Integration überhaupt ist…

        • Lukas sagt:

          Für einen Windpark sind die relativen Schwankungen geringer. Je mehr Windräder in einem Windpark stehen stehen, desto stärker ist der Ausgleichseffekt. Das liegt daran, dass z.B. Böen nie an allen Windrädern gleichzeitig ankommen.
          Auch die unterschiedlichen Windparks innerhalb Deutschlands gleichen sich teilweise gegenseitig aus.

        • Hermann sagt:

          Nein, das Gegenteil ist der Fall. Einzelne Schwankungen gleichen sich aus, je besser desto mehr Anlagen.

          Die Prognosesicherheit für den eingespeisten Windstrom liegen bei ca 96% für einen Zeitraum von 6 Stunden. Bei mehreren Tagen wird das allerdings deutlich schlechter.
          Allerdings genügen 6 Stunden um darauf zu reagieren.

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  12. irgendeiner sagt:

    “Durch den europäischen Emissionshandel ist die Gesamtmenge an CO2, die in Europa emittiert werden darf, nach oben begrenzt. Das bedeutet, dass der zusätzliche CO2-Ausstoß, der durch die Substitution von Atomstrom durch Strom aus fossiler Erzeugung entsteht, innerhalb Europas an anderer Stelle wieder eingespart wird. Das ist klimaneutral, äußert sich aber in einer geringfügigen Steigerung der Preise für CO2-Emissionsrechte.”

    Die CO2-Problematik muss innerhalb der nächsten 20 Jahre gelöst werden, sonst Leben wir in Zukunft auf einer Erde, die nicht mehr lebenswert ist. Dann ist es egal, ob irgendwo ein paar Tonnen mehr Atommüll rumstehen oder nicht.

    Die oben aufgeführte Argumentation hinkt insofern, dass eine drastischere Begrenzung des CO2-Ausstoßes sicher möglich (und zur Rettung des Planeten nötig) wäre. Es geht nicht darum, wieviel CO2 durch den Ausstieg mehr produziert wird, sondern wieviel weniger die möglichen Einsparungen werden…

  13. Thiemo sagt:

    Einen Absatz unter dem von dir zitierten habe ich darauf hingewiesen, dass die Argumentation mit dem Emissionshandel nur kurzfristig gilt. Was den vermeintlichen Zielkonflikt zwischen Klimaschutz und Atomausstieg betrifft: Ich denke, dass der Atomausstieg notwendig ist, um im öffentlichen Bewusstsein das Ende des fossil-nuklearen Zeitalters zu markieren und in der Gesellschaft die notwendigen Kräfte für den Umbau zur erneuerbaren Energieerzeugung zu mobilisieren.

    Natürlich kann man argumentieren, dass durch 1000 Windkraftwerke statt eines AKWs theoretisch auch ein Kohlekraftwerk ersetzt werden könnte. Aber ist das plausibel? Viel realistischer ist doch, dass der Großteil der Investitionen in Erneuerbare Energien ohne den Atomausstieg nie stattgefunden hätte. Wenn wir jetzt den Schwung ausnutzen, den der Atomausstieg den Erneuerbaren verliehen hat, können wir nicht nur die AKWs sondern auch die fossilen Kraftwerke ersetzen und befinden uns auch in Hinsicht auf den Klimaschutz in einer besseren Situation als ohne Ausstieg aus der Kernenergie.

  14. Joachim Geiger sagt:

    Eine sehr interessante Darstellung. Seltsamerweise geht kaum jemand auf die in der Zwischenzeit vorliegenden Kurven zu 2011 und dem Beginn 2012 ein. Der in den Jahren 2009 und 2010 vorhandene Stromexport ist in 2011 deutlich zurückgegangen und der Stromexport in den Wintermonaten ist ebenfalls deutlich unter den Vorjahren. Das mögen natürlich zeitlich begrenzte Schwankungen sein, allerdings liegen die Kurven doch signifikant unter den Vorjahreswerten und das bei gutem Wind und milder Witterung.

  15. rene sagt:

    Im Netz gibt es z.B. unter
    http://nature2010.tripod.com/StromImport-Export-Deutschland.png
    eine ganz anders aussehende Grafik.

    Kann ich die hier zugrunde liegenden Daten einsehen?

    • Thiemo sagt:

      Die von dir verlinkte Grafik zeigt die als „Cross-Border Physical Flow“ veröffentlichten Daten. Nach meinem Verständnis sind die „Final Cross-Border Schedules“ genauer. (Auf http://entsoe.net/data.aspx?IdMenu=5 steht zu den Final Cross-Border Schedules: „Realized schedules: Final schedules are the refined Physical Flows.“) Deswegen verwende ich für meine Auswertung die Final Schedules, sobald diese verfügbar sind (maximal 7 Tage zeitversetzt).

      Ausserdem ist zu berücksichtigen, dass die entsoe.net-Daten sich auf die deutschen Regelzonen beziehen, deren Grenzen jedoch nicht überall mit den Landesgrenzen zusammenfallen. Um die tatsächlichen Werte für Deutschland zu erhalten, addiere ich zusätzlich den Export nach Luxemburg, indem ich die monatsgenauen Daten von https://www.entsoe.eu/db-query/exchange/detailed-electricity-exchange/ extrapoliere. Für eine Diskussion der Genauigkeit des Verfahrens siehe oben im Text den Nachtrag vom 28. Mai.

      Ist damit deine Frage nach den zugrunde liegenden Daten beantwortet?

      • rene sagt:

        Danke für die Antwort. Also muss man sich für die Daten registrieren.
        Doch hier gleich noch ein Vorschlag. Der aktuelle Verlauf zeigt ja wohl doch einen riesigen Unterschied zu den vorherigen Jahren.
        Also doch Moratorium abhängig. Evtl. kann man dies genauer sehen
        wenn die gesamte Stromerzeugung als Referenz mit zu sehen wäre?
        Auf den EEX Seiten gibt es die für DE und AT.

        • Thiemo sagt:

          Die Registrierung ist kostenlos, also insofern kein Problem. Danke für den Vorschlag mit der Stromerzeugung, das wäre sicher interessant. Allerdings schätze ich, dass ich auf absehbare Zeit nicht dazu kommen werde, so etwas zu implementieren.

  16. Kreuzotter sagt:

    Sieht nicht gut mit unserer Stromversorgung aus. Schade dass man nicht noch den starken Anstieg des CO2-Ausstoßes sehen kann. Der nächste kalte Winter wird wohl den Zusammenbruch bringen.

    • Thiemo sagt:

      Zum (zeitweisen) Anstieg des CO2-Ausstoss, siehe meinen Kommentar vom 5. Januar.

      Kennst du Fakten, die belegen, dass “der nächste kalte Winter” “den Zusammenbruch bringen” wird? Mir ist nichts derartiges bekannt. Im Gegenteil, am 31. August 2011 hat die Bundesnetzagentur festgestellt, dass es für die Netzstabilität im Winter noch nicht einmal nötig ist, eines der abgeschalteten Kernkraftwerke als Reserve vorzuhalten.

      • Kreuzotter sagt:

        Warten wir doch erst mal ab. Etwas überrascht bin ich aber von der Idee, ein KKW wieder zur Unterstützung einzuschalten. Wollten wir nicht von der Kernkraft weg hin zu PV und Wind??

        Was die Netzagenturen und die Industrie angeht, so klingen diese heute schon deutlich weniger optimistisch. Immerhin haben ca. 20% der Unternehmen angekündigt, ihre Produktion ins Ausland zu verlegen, bzw. diesen Schritt zu überdenken. Natürlich nur aufgrund der Energiewende. Die ausfallenden Steuern und Löhne dürften die Kosten der Energiewende weiter treiben. Dazu kommen noch die Gelder, die man Großverbrauchern für die Abschaltung in Kriesensituationen zahlen will.

        Ich würde mal behaupten, die Energiewende mausert sich zur großen Katastrophe in Deutschland. Mit der Kälte sackt ja auch schon die obige Graphik weiter ins Minus. Und jetzt brauchen wir bald Energie. Mit viel Glück eventuell nur für die nächsten 2 Wochen…

        • Thiemo sagt:

          Etwas überrascht bin ich aber von der Idee, ein KKW wieder zur Unterstützung einzuschalten. Wollten wir nicht von der Kernkraft weg hin zu PV und Wind??

          Das war ja auch eine Idee der Merkel-Regierung…

          Immerhin haben ca. 20% der Unternehmen angekündigt, ihre Produktion ins Ausland zu verlegen, bzw. diesen Schritt zu überdenken.

          Kannst du diese Behauptung auch belegen? Ohne Quellenangabe brauchen wir darüber nicht zu diskutieren.

          Mit der Kälte sackt ja auch schon die obige Graphik weiter ins Minus.

          Der scheinbar negative Trend lässt sich mit den seit 22. Dezember fehlenden Daten für Österreich erklären, siehe auch mein Nachtrag vom 31. Januar.

      • Kreuzotter sagt:

        Schöne Zensur, Beiträge mit unerwünschtem Inhalt werden also nicht veröffentlicht. Wie vorher gesagt importieren wir ja nun seit längerem Energie, die Kurve ist in der 7-Tage Ansicht klar im Minus. Glück im Unglück ist natürlich der stabile Sonnenschein. Hoffen wir nur, dass es während der Kälteperiode so bleibt…

        • Thiemo sagt:

          Es tut mir leid, dass ich nicht täglich dazu komme, Kommentare freizuschalten und zu beantworten. Wie schon geschrieben, lassen sich die niedrigen Exportwerte durch Lücken im Datenmaterial erklären.

  17. Joachim Geiger sagt:

    Hallo,
    ist es mit dem Nachtrag vom 31. Januar 2012 (physical flow Daten von und nach Östereich und der in Arbeit befindlichen Korrektur) verbunden, daß die Graphik seit dem 31. Januar keine neuen Daten mehr anzeigt?

  18. Kreuzotter sagt:

    Und weiter geht es. Wieder müsse alte und ineffiziente Kraftwerke aus der Reserve angefahren werden. Und wir wollen doch auch nicht vergessen, wie wichtig Gas für die Energiewende und ihre Regelkraftwerke ist. So sieht es mit dem russischen Gas aus, auf das wir setzen.

    http://www.welt.de/wirtschaft/article13859334/Schueler-frieren-weil-zu-wenig-Gas-aus-Russland-fliesst.html

    Aber bloß nicht veröffentlichen, könnte ja der eigenen Ideologie schaden…

    • Lukas sagt:

      Lies mal den von dir verlinkten Artikel genau:

      “Das Problem seien vor allem überlastete Pipeline-Kapazitäten zwischen Nord- und Süddeutschland.”

      Das Gas ist vorhanden, es kann nur nicht ausreichend transportiert werden.
      Dieser Engpass bei der Engpass bei der Gasversorgung hat also nur sehr indirekt was mit der Stromversorgung zu tun sondern viel mehr mit dem hohen Heizbedarf wegen der großen Kälte. Und die ist ja jetzt auch erstmal vorbei.

      Deutschland hat letzte Woche permanent Strom exportiert ohne Probleme bei der Stromversorgung zu bekommen: http://www.iwr.de/re/iwr/12/02/1301.html

      Das Problem, dass Deutschland so viel exportiert und dabei gleichzeitig die Gasversorgung knapp wird, ist kein technisches Problem sondern ein Marktproblem.

      • Joachim Geiger sagt:

        Kein Marktproblem, sondern ein Problem der Transportleitungen. Als Problem der Stromversorgung (Stichwort Nord-Süd-Verbindungen der Stromnetze) wird das ja immer wieder dargestellt und diskutiert und der Netzausbau wird ja auch als besonders wichtig angesehen, aber offensichtlich gibt es das Problem auch beim Gasnetz.

        • Lukas sagt:

          Was ich damit sagen wollte: Würden wir zur Zeit nicht so viel Strom exportieren, gäbe es den Engpass beim Gas wohl nicht. Und die Stromexporte sind durch die Marktbedingungen getrieben.

    • Thiemo sagt:

      Ich kann mich Lukas da nur anschließen: Lies doch bitte den Artikel, den du selbst verlinkt hast. Die Erklärung für das Anfahren der Reservekraftwerke ist darin enthalten: Deutschland exportiert Strom nach Frankreich um den dortigen Bedarf an Heizstrom zu decken.

      Im Übrigen ist es durchaus sinnvoll, “alte und ineffiziente Kraftwerke” zur Deckung der Jahreshöchstlast zu verwenden. Die laufen vielleicht 100 oder 200 Stunden im Jahr, und es wäre sowohl ökonomisch als auch ökologisch falsch, ein neu gebautes Kraftwerk mit einer derart geringen Auslastung zu fahren.

      • Hermann sagt:

        Ich würde das noch ergänzen:
        Frankreichs Industrieminister sagte vor der Presse (kleinlaut) Deutschland wäre derzeit zweitgrößter Strom-Importeur.

        Richtig ist allerdings daß D die doppelte Menge der direkten Strom-Lieferungen an F zusätzlich indirekt über die Schweiz nach Frankreich exportiert hat und damit der größte Stromimporteur zur Zeit des Stromengpaß war.

  19. Wird es noch Updates geben? Oder sind die Daten einfach zu “volatil” und man müsste ständig hinterherrennen, weil wieder jemand das Format seinder Daten geändert hat?

  20. Oliver sagt:

    Hallo allerseits,

    eine sehr informative Seite und eine höchst interessante Diskussion dazu. Vielen Dank dafür. Beim Lesen überkam mich das dringende Bedürfnis, auf den Beitrag von Ullrich Loose vom Juni 2011 zu antworten. Seitdem ist zwar schon einige Zeit vergangen, aber das Thema ist nach wie vor aktuell. Ullrich schreibt: “Es steht also zu vermuten, nein, es steht fest, dass der Eingriff in die Marktwirtschaft extrem hohe Kosten nach sich zieht.”
    Das ist eine interessante Aussage, zu der ich gerne einige Gedanken liefern möchte:
    1.: es gibt überhaupt keine freie Marktwirtschaft. Die Wirtschaft wird auf der gesamten Welt durch gesellschaftliche und politische Rahmenbedingungen beeinflusst. EU-Subventionen, Kohlepfennig oder Importzölle sind nur einige wenige Beispiele.
    2.: selbst WENN es einen freien Markt gäbe, würde dieser, wie schon zuvor bemerkt, an die Wand fahren. Nach der Markttheorie wird doch davon ausgegangen, dass über den Preismechanismus eine optimale Ressourcenallokation erfolgt. Hierfür müssen aber zwei Grundvoraussetzungen erfüllt sein. a) JEDE eingesetzte Ressource, also auch Ressourcen wie Wasser, Luft, Boden, die Lebensgrundlage zukünftiger Generationen, Gesundheit etc. müssten einen Preis haben. Diese Kosten sind aber nicht sauber zu quantifizieren, also werden sie ignoriert (man spricht von sog. “externen Kosten”). b) alle Marktteilnehmer müssten, um die optimale Kaufentscheidung treffen zu können, vollumfänglichen Zugang zu allen Informationen haben, die das Produkt betreffen. Wenn im Laden zwei identische Hemden hängen, eins für 20 Euro, eins für 60 Euro, wählt der Konsument aus marktwirtschaftlichen Überlegungen das preiswerte Hemd. Nur wenn an den Hemden Etiketten hingen, auf denen über den produktionsbedingten Ressourcenverbrauch, den Anteil an Kinderarbeit und/oder die Schadstoffbelastung des Hemdes informiert würde, könnte der Konsument anders entscheiden. Daraus, dass weder Bedingung a) noch b) erfüllt sind, schließe ich, dass auch ein (theoretisch) freier Markt eine suboptimale Ressourcenallokation bewirkt.
    Kommen wir zurück zur Marktverzerrung im regulierten Markt: hierzu empfehle ich die Lektüre “Aufstieg und Krise der deutschen Atomwirtschaft 1945-1975 : verdrängte Alternativen in der Kerntechnik und der Ursprung der nuklearen Kontroverse” von Joachim Radkau sowie “Staatliche Förderungen der Atomenergie” vom Forum ökologisch-soziale Marktwirtschaft e.V.. Zitat aus der ersten Quelle: “…als Atomindustrie und Energiewirtschaft aus eigener Kraft zu keiner Einigung kamen und die Kerntechnik nach marktwirtschaftlichen Gesetzen wieder aus dem Geschäft verschwunden wäre, hing alles an der Initiative des Staates.” (S.199). Und die zweite Quelle rechnet vor, dass die Atomwirtschaft im Zeitraum von 1950 – 2010 durch direkte und indirekte Subventionen mit deutlich über 200 Milliarden Euro bzw. mit umgerechnet 4,3 Cent pro Kilowattstunde unterstützt wurde. Die Kosten für einen möglichen GAU sind hierbei noch nicht eingerechnet.
    Ich wollte eigentlich nur kurz meine Gedanken zum Thema loswerden. Der Artikel ist schon jetzt länger als gewollt. Argumente gegen eine weitere Nutzung atomarer und fossiler Energieträger gibt es noch reichlich, Argumente dafür jedoch zunehmend weniger. Ich erspare mir diese hier und jetzt. Ich denke, ein Umbau unserer Energieversorgung auf erneuerbare Quellen ist notwendig und möglich. Mit Verweis auf marktwirtschaftliche oder betriebswirtschaftliche Argumente einen Umbau abzulehnen, halte ich für zu kurz gegriffen. Die Politik hat den Einstieg in die Atomenergie gegen erheblichen Widerstand seitens der Energieversorger durchgesetzt. Jetzt sollte sie auch in der Lage sein, den Ausstieg durchzusetzen und zumindest diesen Teil der Marktverzerrung zu mildern.

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